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„Um wirklich zeitgemäß zu sein, muss man immer eine Hand in der Vergangenheit und eine Hand in der Zukunft haben.“

Vico Magistretti
Leben

Vico Magistretti (06.10.1920 – 19.09.2006)

Ausbildung


Ludovico Magistretti wurde am 6. Oktober 1920 in Mailand geboren. Er stammte aus einer Architektenfamilie: sein Urgroßvater Gaetano Besia erbaute das Reale Collegio delle Fanciulle Nobili in Mailand; sein Vater, Pier Giulio Magistretti, war an der Gestaltung des Arengarios am Mailänder Piazza del Duomo beteiligt. Vico besuchte die Parini High School und schrieb sich im Herbst 1939 an der Hochschule für Architektur, der Royal Polytechnic, in Mailand ein.

Nach dem 8. September 1943 verließ er Italien während seines Militärdienstes und zog in die Schweiz, um der Deportation nach Deutschland zu entgehen. Dort belegte er einige akademische Kurse an der Champ Universitaire Italien in Lausanne, die an der lokalen Universität angeboten wurden.

Während seines Aufenthaltes in der Schweizer Stadt lernte er Ernesto Nathan Rogers kennen, den Gründer des Unternehmens BBPR, der nach der Verabschiedung rassistischer Gesetze in Italien in die Schweiz geflüchtet war. Diese Begegnung war für Magistrettis intellektuelle und berufliche Entwicklung von zentraler Bedeutung, denn der Architekt aus Triest entwickelte sich schnell zu seinem Maestro.

Er kehrte 1945 nach Mailand zurück, wo er am 2. August sein Architekturstudium am Polytechnikum abschloss. Unmittelbar im Anschluss startete er seine Karriere und arbeitete eng mit dem Architekten Paolo Chessa in der Firma seines Vaters Pier Giulio zusammen, der im selben Jahr frühzeitig verstarb.

Dort, in der kleinen Firma seines Vaters, verbrachte er sein gesamtes Berufsleben in Partnerschaft mit einer außergewöhnlichen Persönlichkeit. Der Gutachter Franco Montella arbeitete innerhalb der Firma ausschließlich das Grundkonzept für Projekte zu erstellen und deren technische Entwicklung nach außen zu delegieren (an Ingenieure und Techniker).

 
VICO MAGISTRETTI
Die 1950er

Während des Wiederaufbaus in Mailand von 1949 bis 1959 entwarf und baute Magistretti gemeinsam mit weiteren Architekten etwa 14 Projekte für INA-Casa.

Er war zusammen mit Mario Tedeschi am gemeinsamen Projekt für das QT8-Viertel beteiligt und entwarf Häuser für Veteranen der Afrikakampagne und die Kirche Santa Maria Nascente.

Im Jahr 1946 nahm er an der R.I.M.A. Ausstellung (italienischer Zusammenschluss für Möbelausstellungen) im Palazzo dell'Arte teil und entwarf einige kleine, nahezu selbst gefertigte Möbelstücke. In den Jahren 1947 und 1948 wirkte er dann gemeinsam mit Castiglioni, Zanuso, Gardella, Albini und weiteren an anderen Ausstellungen mit, die von der Textildesignerin Fede Cheti in ihrer eigenen Werkstatt organisiert wurden.

Er nahm außerdem erfolgreich an der achten, neunten (Goldmedaille) und zehnten (Grand Prix) Ausgabe der verschiedenen Triennalen in Mailand teil.
Bei der 12. Ausgabe gestaltete er zusammen mit Ignazio Gardella den Einführungsraum der Ausstellung mit dem Titel "Heim und Schule" und war zudem Mitglied des Preisrichterausschusses des Mailänder Verbandes.

Der junge Architekt war in den 1950er Jahren an zahlreichen Aktivitäten beteiligt und brachte viele neuen Ideen und Vorschlägen hervor, die ihn in kurzer Zeit zu einem der brillantesten Vertretern der "dritten Generation" machten, teils dank des Baus zweier markanter Gebäude in Mailand: dem Turm im Park in der Via Revere (1953-56, in Zusammenarbeit mit Franco Longoni) und dem Bürogebäude am Corso Europa (1955-1957).

Im Laufe der folgenden Jahre entwarf er auch eine Reihe weiterer wichtiger Projekte, darunter die Türme am Piazzale Aquileia (1961-64), das Bassetti Haus in Azzate (1959-62), das Cassina Haus in Carimate (1964-65) und das Haus in der Via Conservatorio in Mailand (1963-66).

Im Jahr 1956 war er eines der Gründungsmitglieder der ADI, der Industrial Design Association und im selben Jahr war er zum ersten Mal Mitglied der Jury für den Goldenen Kompass. Im Jahr 1969 war er erneut einer der Juroren für den ADI Preis.

Die 1960er

Ab den 1960er Jahren fokussierte sich seine Arbeit als Architekt fast ausschließlich auf das Thema Wohnen und Leben. Er entwickelte eine eigene, sehr ausdrucksstarke Sprache, die zwar zeitweise stark kritisiert wurde, jedoch die Architekturszene der Lombardei in dieser Zeit stark beeinflusste und ihn zu einer ihrer führenden Persönlichkeiten machte.

In diesem Kontext nahm er am CIAM-Kongress (Internationaler Kongress für moderne Architektur) teil, der im Jahr 1959 in Otterlo in den Niederlanden stattfand. Dort stellten die Italiener den von der BBPR entworfenen Velasca-Turm, die von Ignazio Gardella entworfene Olivetti-Kantine, das von Vico Magistretti (1956-59) entworfene Haus in Arosio und die von Giancarlo De Carlo entworfenen Häuser in Matera vor. Diese Arbeiten verursachten einen heftigen Skandal und waren in gewisser

Hinsicht Sinnbild für die tiefe Krise, die der CIAM in jenen Jahren erlebte. Bis dahin unbestrittener Protagonist der Architekturdebatte, war die Krise so tief, sodass der Kongress im Jahr 1959 der letzte sein sollte. Magistrettis Entwurf des kleinen Hauses in Arenzano ermöglichte es ihm, seine eigene Sprache und Persönlichkeit zu entwickeln.

Magistretti war einer der Gründungväter des sogenannten Italienischen Designs, einem Phänomen, das er selbst als „wundersam“ beschrieb und das sich nur dank des Zusammentreffens zweier Hauptakteure entwickeln konnte: Architekten und Hersteller.

Ab dem Ende der 1960er Jahre begann er, mit einigen außergewöhnlichen Herstellern zusammenzuarbeiten, darunter Artemide, Cassina und Oluce. Für sie entwarf er Objekte, die noch immer als „Klassiker“ der modernen Produktion gelten.

Die 1970er

In der nächsten Dekade wurde Magistrettis Architekturunternehmen zunehmend durch seine Arbeit als Designer unterstützt.

Das erste Produkt von Magistretti entstand im Jahr 1960 – der Carimate Stuhl, entworfen um jenen Golfclub auszustatten, den er im selben Jahr entwarf, und letztendlich von Cassina produziert wurde. In den folgenden Jahren entwarf er zahlreiche weitere Produkte für das Unternehmen; darunter besonders hervorzuheben sind das Sofa Maralunga (1973, ausgezeichnet mit dem Goldener Kompass im Jahr 1979), das Sofa Sindbad (1981) und der Veranda Sessel (1983).

Er entwarf auch eine Reihe von Leuchten für Artemide, darunter Mania (1963), Dalù (1969), Chimera (1969), die besonders berühmte Eclisse (1966, ausgezeichnet mit dem Goldenen Kompass im Jahr 1967), Teti (1970) und Impiccato (1972). Nach den Demetrio Couchtischen (1966) entwarf Magistretti weitere Möbelstücke, darunter der Stuhl Selene (1969), der mit dem Panton Chair und Joe Colombos Universale um den Titel des weltweit ersten Plastikstuhls konkurrierte. 

 Viele Jahre lang war Magistretti auch Art Director und leitender Designer von Oluce und verlieh dem Produktportfolio des Unternehmens einen eigenen, unverwechselbaren Stil. Zu seinen Meisterwerken, die weltweit als Ikonen anerkannt sind, gehören die folgenden Leuchten: Snow (1974), Sonora (1976), besonders hervorzuheben die Leuchte Atollo (1977, Goldener Kompass 1979), Pascal (1979) und Kuta (1980).

Was die Architektur betrifft, so war dies die Phase, in der er das Rathaus von Cusano Milanino (1966-69), das Stadtviertel Milano San Felice in Segrate (1966-69, in Zusammenarbeit mit Luigi Caccia Dominioni) und das Haus auf der Piazza San Marco (1969-71) baute.

Die 1980er

Seine Lehrtätigkeit begann Magistretti in den späten 1970er Jahren als Gastprofessor am Royal College of Art in London, von dem er im Jahr 1983 auch zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

"Der wirkliche große Feind von heute ist die Vulgarität. Ich liebe die angelsächsische Kultur, weil sie frei davon ist". Vico Magistrettis Liebe zu Großbritannien wurde erwidert und er erhielt im Jahr 1986 einen hoch angesehenen britischen Preis: die von der SIAD, der Society of Industrial Artists and Designers, verliehene Goldmedaille.

In der Tat nahm hier am Royal College of Art die minimalistische Schule zum ersten Mal Gestalt an, deren raffinierteste Vertreter, Morrison und Grcic, nicht nur Magistrettis eigene Schüler waren, sondern ihn auch als absoluten Maßstab für die Entwicklung einer Bewegung anerkannten, die als eine der interessantesten zeitgenössischen Bewegungen im Designs-Bereich betrachtet werden kann.

Parallel zu seiner Lehrtätigkeit im Ausland setzte er seine Arbeit als Architekt in Italien fort. Zu seinen architektonischen Werken aus dieser Zeit gehören der Hauptsitz des Biology Departments in Mailand (1978-81, in Zusammenarbeit mit Franco Soro), das Tanimoto Haus in Tokio (1985-86) und das Cavagnari Zentrum der Cassa di Risparmio in Parma (1983-85).

Er schuf auch viele Innenräume, deren Entwürfe frei von jeglichen dekorativen Ansprüchen waren und sich lediglich darauf beschränkten, angemessene Strukturen für ihre Bewohner zu schaffen, um den "natürlichen Hürden des Lebens standhalten zu können. Denn jeder, der in einem von mir entworfenen Haus wohnt, hat seine eigene Kultur, seinen eigenen Hintergrund und seinen eigenen Geschmack", so Magistretti als er zum wiederholten Mal sein Festhalten an der Moderne verkündete und sich von jeglichen dekorativen Elementen und damit von der Postmoderne distanzierte.

Ende der 1980er Jahre ging er auch eine Partnerschaft mit einer führenden Verlegerin ein: Maddalena De Padova, die in der 20. Ausgabe der Preisverleihung mit der Goldmedaille für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Die Jury ehrte sie wie folgt: „Maddalena De Padovas großartiges Engagement für die Produktion und Verbreitung von Design als gemeinsame Kultur, die in verschiedenen internationalen Bereichen agiert, ist in Italien einzigartig. Ebenso die Art und Weise, wie sie bestimmte Standards hinsichtlich Konsistenz und Qualität aufrechterhalten hat".

Nachdem sie Ende der 1970er Jahre das ICF-Warenzeichen einschließlich der Lizenz für die Herstellung von Herman-Miller-Produkten aufgegeben hatte, schuf Maddalena eine Reihe von Möbeln und Objekten, die das De Padova-Warenzeichen trugen, das später in "è De Padova" umbenannt wurde und zu dessen Geschäftspartnern große Designer wie Achille Castiglioni und Dieter Rams und allen voran Vico Magistretti gehörten.

Die von Magistretti entworfene Kollektion "è De Padova" umfasst folgende Klassiker: den Stuhl Marocca (1987), den Tisch Vidun (1987), den Stuhl Silver (1989), den Korbsessel Uragano (1992), den Drehstuhl Incisa (1992) und den etwas aktuelleren Tisch Blossom (2002).
Die 1990er

Während sich die Architektur, die er in den 1990er Jahren entwarf, auf das Mailänder U-Bahn-Depot in Famagosta (1989-2002) und den Esselunga-Supermarkt in Pantigliate (1997-2001) beschränkte, gingen viele Designobjekte des Architekten in Produktion.

Vico Magistrettis Arbeit in diesem Bereich wurde in Bezug auf die verschiedenen Unternehmen, mit denen er Geschäftspartnerschaften einging, zunehmend vielfältiger. Er entwarf für sie mehr als nur ein Objekt.

Für Flou erfand er ganz neue Bettentypen. Nach dem Bett Nathalie (1978) entwarf er im Jahr 1993 das erste vollständig gepolsterte Bett sowie ein weiteres innovatives Bett namens Tadao, dessen Gestell und Kopfteil eine raffinierte Neuinterpretation eines simplen Lattenrostes darstellen.

Auch in seiner Partnerschaft mit Schiffini Mobili Cucine gab sich Magistretti nicht einfach mit gewöhnlichen Stilen zufrieden. Seine Küchenzeile Campiglia (1990) greift durch die Einführung von Schrankmöbeln auf weniger freitragende Strukturen zurück. Solaro (1995) verwandelt die herkömmlichen Türen seiner Grundelemente in handliche, geräumige Schubladen. Bei Cinqueterre (1999) kommt ein industrielles Halbfabrikat zum Einsatz: ein eloxiertes Aluminium mit gewellter Oberfläche, das jedem einzelnen Element Form verleiht.

Schließlich führte seine Geschäftsbeziehung mit Kartell zur Gestaltung eines weiteren industriellen Stuhls - Maui (1996) -, der aus einem einzigen Stück Kunststoff gefertigt ist und dem internationalen Erfolg des vorherigen Stuhl Selene in nichts nachsteht.

Neben einer Ausstellung über Gio Ponti widmete der Mailänder Salone del Mobile Vico Magistretti im Jahr 1997 eine Sonderausstellung, die von Vanni Pasca organisiert wurde. Die Installation wurde von Achille Castiglioni und Ferruccio Laviani entworfen.

Einige Jahre zuvor wurde er mit dem Goldenen Kompass für sein Lebenswerk ausgezeichnet (1994).

2000 und die folgenden Jahre

Bei der Zusammenarbeit mit Campeggi hatte Magistretti die Möglichkeit, bestimmte Stücke mit traditionellem anonymem Design zu überarbeiten und einige eher unauffällige Objekte zu entwerfen, die von seiner eigenen Persönlichkeit strotzen: Der Stuhl Kenia (1995), das Bett Ospite (1996), der Sessel Africa (2001), die alle zusammenklappbar waren, und das Sofa Magellano (2004). Bestimmte Objekte, die ebenfalls für Campeggi entworfen wurden, wurden in gewisser Weise erweitert, so dass sie verschiedenen Zwecken dienen konnten, wie der Sessel Estesa (2000) und das Sofa Fan (2006), das letzte Produkt, das der Architekt entwarf.

Die letzten Gebäude, die er entwarf, waren ein Haus in Saint Barth in den Französischen Antillen (2002) und ein weiteres in Epalinges, nahe Lausanne (2005).

Eine von der Fondazione Schiffini organisierte Ausstellung mit dem Titel „Vico Magistretti. Il design dagli anni ’50 ad oggi” wurde im Jahr 2003 im Palazzo Ducale in Genua eröffnet.

Im Jahr 2005 wurde er mit dem besonderen Preis “Abitare il tempo” ausgezeichnet.

Seine Designarbeiten werden in der Dauerausstellung des MoMA in New York, im Victoria & Albert Museum in London, im Museum Die Neue Sammlung in München und zahlreichen weiteren Museen in Amerika und Europa gezeigt.

Nachdem er im September 2006 verstarb, wurde sein Atelier, in dem sich heute die Fondazione studio museo Vico Magistretti befindet, in ein Museum umgewandelt, das dem Studium seines Werkes und dessen Förderung gewidmet ist.

Vico Magistretti
Vico Duo
Weitere Ausführungen
VM110, Klarlak, pulverbeschichtetes Gestell
218,00 EUR
NEU
Vico Magistretti
Vico Duo
Weitere Ausführungen
VM111, Klarlak, pulverbeschichtetes Gestell
264,00 EUR
NEU
Vico Magistretti
Vico Duo
Weitere Ausführungen
VM111, Klarlak, pulverbeschichtetes Gestell
264,00 EUR
NEU
Vico Magistretti
Seat cushion
Weitere Ausführungen
VM170, Sitzkissen für die Vico Duo, Stoff
52,00 EUR
NEU